Angekommen

Wieder sind wir angekommen in dieser so wunderbar lebendigen Stadt, die nicht nur aus Touristen und Pilgern besteht, sondern in der auch das ganz normale Leben Platz hat.

Schoen langsam humpelten wir hinein, Dani wegen seiner Blasen, Steffi wegen ihrer Muskelzerrung und ich mit meinen Sehnenentzuendungen. Marlene traegt ihre Kniebandage.

Heute waren wir bei einem Pilgeraustausch deutscher Pilger, der recht interessant war: mir wurde dabei klar, dass es tatsaechlich auf einer solchen Wanderung weder um den sportlichen Aspekt geht (so richtig sportlich ist es naemlich nicht), noch um Freizeitbeschaeftigung (da wuesste ich mir etwas entspannteres), noch darum Menschen kennen zu lernen (etliche, die herumpilgern, moechte man gar nicht kennenlernen). Letztendlich geht es - zumindest mir - darum, anzukommen an einem Ort, der mir etwas bedeutet, mich dem Weg dorthin anzuvertrauen und wie Nene es so schoen ausdrueckt: sich nicht dauernd Sorgen zu machen.

Vertrauen ins Leben haben, auch wenn es unsicher aussieht. Das ist etwas, was zumindest ich immer wieder ueben muss, aber auch moechte.

"Trust the process!" Ein Satz, den Marlene und ich uns zu eigen machen und der uns immer zum Lachen bringt, wenn wir ihn so aussprechen, wie er uns gefaellt: "Trast se proces". Der Satz sieht zwar englisch aus, ist aber doch - wie ja jeder weiss - im Grunde bayrisch.

Gestern Abend haben wir gelacht aber auch ein paar Traenen vergossen, sehr gut gegessenl (schliesslich waren wir ja schon um 4.30 losgegangen)  und an der Pilgermesse teilgenommen und Abends getrunken gesungen und getanzt. Und dann haben wir in Betten geschlafen, die keinen Schlafsack benoetigten, auf Kissen vor denen man sich nicht ekelte und waren ganz unter uns fuenfen.

Heute trennten wir uns von unseren Spaniern, die wir vermutlich im Dezember in Muenchen wiedersehen werden.

Die Muehen, die Schmerzen, die Unlust und all das, zu ueberwinden, was sich in den Weg stellt, hat sich gelohnt. Wir sind einfach froh!

1 Kommentar Vera am 27.7.12 16:26, kommentieren

Para ti!

Es las 4.00 el jueves. Vamos.

Pensamientos optimistos y positivos.

Gracias.

 

Vera am 26.7.12 04:20, kommentieren

jedes Mal ist ein neues Mal

Der Fehler liegt im Vergleich!

Hast du etwas Schoenes erlebt, so willst du das selber wieder haben im Leben.

Wir hatten vor drei Jahren einen ganz besonderen Einzug nach Santiago. Unsere Ausgangslage war sehr ungewiss und wir gewannen Sicherheit, indem wir uns jedem Tag dem Wetter anvertrauten, der Hilfe anderer Menschen, unserem Gefuehl fuer Spiritualitaet und Sicherheit gewannen mit jedem Schritt.

Diese Sicherheit trug uns einige Zeit und wir machten neue Schritte.

Was ist nun davon geblieben?

Marlene und ich haben eine Vertrautheit, die wirklich wunderbar ist. Wir sind unterwegs mit Freunden, die wir auf dem letzten camino kennengelernt hatten. Wir wussten, dass wir Schmerzen erleiden wuerden und trotzdem nicht aufgeben.

Aber davon abgesehen gab es auch einige Enttaeuschungen entstehend aus den besagten Vergleichen: der Nordweg ist stiller. Das hatten wir uns gewuenscht. Aber er ist eben auch nicht so alt, so getragen von Glauben, von Religion, von der riesigen Schar Pilgern, die uns hunderte von Jahren vorausgewandert waren.

Wir sind viel in Komtakt mit Spaniern, die wir haeufig nicht wirklich verstehen koennen, da sie voellig anders sozialisiert sind. Wir Deutsche bestehen auf unsere Inddividualitaet, moechten gerne mal ein Stueck alleine unterwegs sein - ganz schwierig fuer Spanier, die erst in einer Gruppe so richtig aufleben. UNsere spanischen Freunde fanden das leise Guitarrenspiel einer Gruppe junger Franzosen ziemlich komisch. Sie saengen so leise, was denn mit denen los sei? Wir deutschen Frauen fanden das ganz wunderbar! Usw. usw. 

Das Leben in einer anderen Kultur erfordert ein grosses Mass an Toleranz und zu ganz persoenlichen Schwierigkeiten kommen die kulturellen noch dazu.

Und schon sind wir bei ganz persoenlichen Ueberlegungen...

Morgen werden wir vor der Kathedrale stehen. Und wir koennen innerlich die Zeit passieren lassen, die seither vergangen ist. Und wir koennen stolz sein auf uns, die Nene und ich. Wir sind schon weit gekommen!

Auch auf dem Weg morgen denken wir wieder an euch, lieber Sascha und liebe Birgit, liebe Ma und lieber Ralph und Andrea. liebe Eva und Roland, liebe Tina und NIchten, liebe Familie.

Ich denke auch an Freunde, die es gut brauchen koennen und an meine Arbeitskolleginnen.

Alles wird gut am Ende!

1 Kommentar Vera am 25.7.12 19:14, kommentieren