die Fuesse, die Fuesse...!

Wie kann man das einfach so vergessen? Oder verdraengen?

Die Fuesse, die Fuesse tun so weh! Blasen, Blasen, die Sehnen, Huefte, Oberschenkel...

Und dass uns das regelrecht ueberrrascht...? Morgens sind wir frohen Mutes aus unserer Absteige in den Fruehstuecksraum gegangen, um ein paar Kekse zu uns zu nehmen, mit dem sicheren Gefuehl, dass wir eine kleine Etappe von 25 km zu bewaeltigen haetten. Kein Problem also!

Das einzig dumme war der Regen, der sich bei 16 Grad Aussentemperatur vom Nieseln ins Stroemen und wieder zurueckentwickelte.

Noch in Gijon passieren wir einen Laden fuer Farben aus dessen Tuer es nach Chemie riecht, genauer gesagt nach Impregnierspray.

Also rein und danach gefragt. Der Mann am Tresen laechelt erfreut und ein wenig geheimnisvoll und greift ins Regal. An der Unterseite des Sprays haengt der Schmutz von mind. 30 Jahren. Er putzt die Dose liebevoll unten, oeffnet den Deckel und macht den Spruehknopf ab, putzt wieder,montiert alles sorgfaeltig zusammen und reicht sie mir mit kleinem Nicken. Auf meine Frage, ob das Spray denn noch ok sei, nimmt er den Deckel ab und sprueht auf ein Papier, das sich komisch grau verfaerbt und meint, es sei so gut wie neu. Auf dem Etikett des guten Teils befinden sich Bilder, die an die 50ger, mit viel gutem Willen 60ger Jahre erinnern. "Es un regalo!" (Ist ein Geschenk) meint er dann und sagt, dieses Spray haette eine Geschichte.

Seither frage ich mich, ob wirs denn beutzen koennten. Ich meine jedes Ding hat seine Halbwertszeit. Was wenn sich nach dem Spruehen die Schuhe aufloesen?

Die Strecke heute ist beeindruckend!

Beeindruckend haesslich.

Mal befindet sich ein Kraftwerk rechts, mal Schwerindustrie links. Es raucht und dampft und droehnt und summt- dazwischen ein paar Umspannwerke. Als wir uns etwas unsicher nach dem Weg umsehen, haelt ein Auto an und ein aelterer Herr fragt uns : "Camino de Santiago?" - Nicken - "Da rechts rein und immer geradeaus!" Oben an der Autobahn ist Marlene sich sicher, dass der Seitenstreifen als Weg fuer Fussgaenger gedacht ist. Wir kehren trotzdem um. Lieber laufen wir an der Schnellstrasse entllang, wo die Laster sich geschwindigkeitsmaessig mal so richtig verausgaben.

Dank des Wetters sind die Hosen nass, die Schuhe dergleichen, die Rucksaecke und Anoracks schmuddelig und unsere Gesichter von hysterischem Gelaechter verzerrt.

Je weniger Spass das hier macht, dasto mehr tut man fuer sein Seelenheil. Daran haben wir keinen Zweifel. Und damit man nicht in Versuchung geraet, zu sich zu kommen, sind alle 5 Kirchen auf die wir heute stossen, fest abgeschlossen.

Trotzdem haben wir Aviles erreicht, uns geduscht, die Waesche zum Trocknen aufgehaengt ( die das hoffentlich bis morgen schafft) und weiterin fest entschlossen.

Es un rollo! Hemos olvidado el dolor de los pies y los alberghes simples. Pero vamos a seguir hasta Santiago. Y es un gran placer de caminar con mi hija tan divertido. Te llamo.

 

Vera am 10.7.12 17:12

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Hammu (12.7.12 21:15)
Liebe Vera, liebe Nene,

"Je weniger Spass das hier macht, dasto mehr tut man fuer sein Seelenheil. Daran haben wir keinen Zweifel." Da könnte man jetzt zu philosphieren beginnen, aber die alten Mönche haben es uns seit Langem vorgemacht - und nicht nur sie. Vielleicht ist es wichtig, dass man sich den Strapazen freiwillig unterzieht und weiß, wofür sie gut sind. Und das ist bei Euch bestimmt der Fall; Ihr kennt Weg und Ziel. Es spicht für Euch und den Weg, dass zwei so lebensfrohe Menschen den Camino zum zweiten Mal gehen. Ich bin jedenfalls bei Euch und denke an Euch! (Obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich im Schaukelstuhl sitze!)

Gott sei bei Euch!

Euer Hammu

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